Osteuropa bringt Österreich wichtige Wachstumsimpulse
21 October 2026
Die gute Konjunkturentwicklung in der Region stützt Österreichs schwache Konjunktur. Besonders wichtig bleiben die Visegrád-Staaten während die Bedeutung der Balkanländer steigen dürfte
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Von Olga Pindyuk
- Die Region Mittel-, Ost- und Südosteuropa (MOSOE) bleibt nach Deutschland der zweitwichtigste Bestimmungsmarkt für österreichische Exporte, und im Zeitraum Januar bis Juli 2026 konnte Österreich seine Exporte in alle mittel- und osteuropäischen (MOE-)EU-Länder mit Ausnahme von Rumänien und Slowenien steigern.
- Vor dem Hintergrund zunehmender globaler wirtschaftlicher Gegenwinde wird die Region der österreichischen Wirtschaft in den kommenden Jahren zunehmend Impulse verleihen.
- Die Länder des Westbalkans werden an relativer Bedeutung für die österreichische Wirtschaft gewinnen, da ihre Wirtschaftsleistung stärker steigen wird als die der Visegrád-4-Länder und Sloweniens. Folglich werden Letztere über den Zeitraum 2027–2028 einen tendenziell geringeren Anteil an den gesamtwirtschaftlichen Impulsen haben.
- Österreichs Dienstleistungsexporte sind dank der starken Entwicklung im Tourismus gewachsen, wobei Touristen und Touristinnen aus den MOSOE-Ländern einen immer größeren Anteil an den Tourismuseinnahmen des Landes ausmachen.
- Obwohl die MOSOE-Region im Jahr 2025 insgesamt an Bedeutung als Quelle österreichischer Direktinvestitionserträge verloren hat, stiegen die Erträge aus Ungarn, Polen und Slowenien weiterhin dynamisch an.
- Die von russischen Unternehmen in Österreich erzielten Direktinvestitionserträge haben sich im Jahr 2025 mehr als verdoppelt.
Nachdem die österreichische Wirtschaft Anfang 2026 mit einer leicht positiven Dynamik gestartet war, geriet sie im zweiten Quartal ins Stocken und blieb hinter den meisten MOSOE-Ländern zurück. Im zweiten Quartal 2026 führten Störungen in den Lieferketten und Energiepreisspitzen im Zusammenhang mit den geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zu einer Verlangsamung des realen BIP-Wachstums auf 0,6 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wodurch Österreich zu einem der Länder mit der schlechtesten Wirtschaftsdynamik in der EU wurde. Unter den MOE-EU-Ländern wies in diesem Zeitraum nur Rumänien ein schlechteres Wirtschaftsergebnis auf (siehe Abbildung 1). Das BIP-Wachstum in Österreich wird in erster Linie von Exporten und Investitionen getragen, wobei die Exporte von Waren und Dienstleistungen im zweiten Quartal real um 2,3 % gegenüber dem Vorjahr zunahmen.
Die MOSOE-Region bleibt nach Deutschland der zweitwichtigste Bestimmungsmarkt für österreichische Exporte (siehe Abbildung 2). Bemerkenswert ist, dass China einen immer größeren Anteil an den österreichischen Importen ausmacht, da die Importe aus China im Zeitraum Januar bis Juli 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22,3 % stiegen. Die Exporte nach China gingen hingegen in diesem Zeitraum um 0,2 % zurück.
Zukunftsorientierte Indikatoren deuten auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends im österreichischen verarbeitenden Gewerbe und bei den Exporten hin, was zum Teil auf den Anstieg der Exporte in die MOSOE-Region zurückzuführen ist. Der Einkaufsmanagerindex der UniCredit Bank Austria stieg im September auf 54,9 Punkte und erreichte damit einen neuen Höchststand seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine. Ein starker Anstieg der Auftragseingänge im In- und Ausland war die Hauptantriebskraft hinter diesem Trend. Die österreichischen Warenexporte stiegen im Zeitraum Januar bis Juli 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,7 %, obwohl die Exporte in die USA in diesem Zeitraum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,5 % zurückgingen. Österreich steigerte seine Exporte in alle MOE-EU-Länder mit Ausnahme von Rumänien und Slowenien. Am stärksten wuchsen die Exporte nach Litauen, Kroatien, Bulgarien und Estland – um 14,2 %, 10,8 %, 9,7 % bzw. 9,4 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Insgesamt war die Ukraine unter den MOSOE-Ländern das am dynamischsten wachsende Exportziel, wobei die Exporte von Januar bis Juli im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23,7 % zunahmen.
Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden globalen wirtschaftlichen Gegenwinde wird die MOSOE-Region der österreichischen Wirtschaft in den kommenden Jahren zunehmend starke Impulse verleihen. Wir gehen davon aus, dass die am langsamsten wachsenden MOE-EU-Volkswirtschaften ihr Wachstum in den nächsten zwei Jahren deutlich beschleunigen werden (siehe Abbildung 3). Dadurch wird die MOSOE-Region zu einem immer wichtigeren Motor für die österreichische Wirtschaft, wie aus Abbildung 4 hervorgeht. Diese stellt die Wachstumsimpulse für das österreichische BIP dar, die durch Exporte in diese Partnerländer und die daraus resultierende Wertschöpfung generiert werden können. Der jeweilige Impuls der Exporte wird anhand des BIP-Wachstums in den Partnerländern berechnet, gewichtet nach dem Anteil (in Wertschöpfungseinheiten) der österreichischen Exporte in diese Länder sowie den Anteilen der Exporte am österreichischen BIP. Am deutlichsten wird sich die wirtschaftliche Erholung in Rumänien und der Slowakei zeigen, wo die realen BIP-Wachstumsraten im Jahr 2027 im Vergleich zum Vorjahr um 2 bzw. 1,4 Prozentpunkte steigen werden. In Kroatien, Slowenien und Polen wird sich das Wirtschaftswachstum hingegen verlangsamen, bleibt aber dennoch deutlich über dem Durchschnitt des Euroraums. Am Ende des Prognosehorizontes werden die Wachstumsimpulse für das österreichische BIP aus MOSOE voraussichtlich mit etwa 0.16% fast doppelt so stark wie jene aus Deutschland sein (siehe Abbildung 4).
Allerdings werden die Visegrád-4-Länder und Slowenien in den Jahren 2027–2028 einen immer geringeren Anteil am gesamten wirtschaftlichen Impuls ausmachen, den die MOSOE-Volkswirtschaften Österreich zuführen. Im Jahr 2026 wird der Anteil der Visegrád-4-Länder und Sloweniens am gesamten wirtschaftlichen Impuls aus den MOSOE-Ländern voraussichtlich bei rund 53 % liegen, während er 2027 und 2028 auf 46 % bzw. 44 % sinken wird. Dies spiegelt in erster Linie die stärkere wirtschaftliche Entwicklung der Westbalkanländer wider, die für die nächsten Jahre erwartet wird. Die Bedeutung Deutschlands für die österreichische Wirtschaftsdynamik wird im Vergleich zu historischen Werten weiterhin recht gering bleiben – auf dem Niveau Chinas.
Österreichs Dienstleistungsexporte sind dank der starken Entwicklung im Tourismus gewachsen, wobei Touristen und Touristinnen aus den MOSOE-Ländern einen immer größeren Anteil an den Tourismuseinnahmen des Landes ausmachen. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Wert der Dienstleistungsexporte nach Angaben der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,3 %. Die Einnahmen aus dem internationalen Tourismus nahmen in diesem Zeitraum um 5,1 % zu. Obwohl Deutschland traditionell den größten Anteil an den Tourismuseinnahmen hat (siehe Abbildung 5), stiegen die Einnahmen durch Touristen und Touristinnen aus mehreren MOSOE-Ländern im ersten Halbjahr 2026 deutlich schneller als die durch deutsche Besucher:innen – die höchsten Wachstumsraten wurden bei Touristen und Touristinnen aus der Türkei (16,9 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum), Ungarn (10,9 %), Kroatien (10,3 %) und Polen (9,9 %) verzeichnet. Einige der MOSOE-Länder – Ungarn, Tschechien und Polen – haben mittlerweile einen höheren Anteil an den Einnahmen aus dem internationalen Tourismus als westeuropäische Länder wie Belgien oder Frankreich.
Auch die MOSOE-Länder werden für österreichische Touristen und Touristinnen zu einem immer beliebteren Reiseziel. Die Region als Ganzes hat einen höheren Anteil an den österreichischen Tourismusausgaben als Deutschland oder Italien. Kroatien ist für österreichische Touristen und Touristinnen zu einem beliebteren Reiseziel geworden als Spanien (mit einem Anteil von 7,1 % an den gesamten Tourismusausgaben im ersten Halbjahr 2026 gegenüber 6,9 %), und Ungarn sowie Slowenien ziehen mehr österreichische Besucher:innen an als Frankreich (4,6 % bzw. 3,3 % gegenüber 3 %). Es überrascht nicht, dass angesichts des aktuellen politischen Umfelds in den USA der Anteil dieses Landes an den österreichischen Tourismusausgaben zurückgegangen ist – im ersten Halbjahr 2026 sanken die österreichischen Tourismusausgaben in den USA im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 %, und der Anteil der USA an den gesamten Tourismusausgaben lag im ersten Halbjahr 2026 bei nur 2,3 %.
Obwohl die Region MOSOE im Jahr 2025 als Quelle für österreichische Direktinvestitionserträge insgesamt an Bedeutung verloren hat (siehe Abbildung 6), stiegen die Erträge aus Ungarn, Polen und Slowenien weiterhin dynamisch an. Während die Gesamterträge aus den österreichischen Auslandsdirektinvestitionen im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 um 6,3 % zunahmen, gingen die Erträge aus Direktinvestitionen in der Region MOSOE um 15,1 % zurück. Auf die Region entfielen 36 % der Erträge, die österreichische Unternehmen aus ihren Auslandsinvestitionen erzielten, wobei dieser Anteil um 9,1 Prozentpunkte niedriger war als im Jahr 2024. Die Erträge aus Direktinvestitionen gingen in den meisten Ländern der Region zurück, mit Ausnahme von Ungarn, Polen und Slowenien, wo Österreich im Jahr 2025 einen Anstieg der Erträge aus Auslandsdirektinvestitionen um 162 %, 147 % bzw. 30 % im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete, sodass der kumulierte Anteil dieser drei Länder an den gesamten Erträgen aus Auslandsdirektinvestitionen um etwa 5 Prozentpunkte auf 9,4 % stieg. Der stärkste Rückgang der Erträge aus Auslandsdirektinvestitionen war in der Region der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) und in Moldawien zu verzeichnen, wobei österreichische Unternehmen in Russland im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 47 % geringere Erträge erzielten, sodass der Anteil des Landes an den gesamten Erträgen aus Auslandsdirektinvestitionen von 6,3 % auf 3,2 % sank.
Gleichzeitig haben sich die Erträge aus ausländischen Direktinvestitionen russischer Unternehmen in Österreich im Jahr 2025 mehr als verdoppelt. Infolgedessen stieg der Anteil russischer Unternehmen an den gesamten Erträgen aus ausländischen Direktinvestitionen von 4,1 % im Jahr 2024 auf 9,7 % im Jahr 2025, womit er jenen der USA überholte. Auf die übrigen Länder der Region MOSOE entfielen im Jahr 2025 weniger als 1 % der gesamten Erträge aus ausländischen Direktinvestitionen. Die Erträge aus ausländischen Direktinvestitionen deutscher Unternehmen gingen im Jahr 2025 weiter zurück und sanken im Vergleich zum Vorjahr um 25 %. Deutschland hat nach wie vor den höchsten Anteil an den gesamten Erträgen aus ausländischen Direktinvestitionen, doch dieser Anteil ist in den letzten Jahren drastisch gesunken – von 53 % im Jahr 2018 auf 24 % im Jahr 2025.





